Ergebnisse:Einsamkeit & Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien ab 55 in Luxemburg

Aktualisiert: 8. Aug 2019

Bachelorarbeit in Psychologie an der Universität Luxemburg- Mara Kroth


In diesem Artikel stelle ich Ihnen einige Ergebnisse meiner Abschlussarbeit unter oben genannten Titel vor.

Ich bedanke mich an dieser Stelle ganz herzlich bei allen, die mir durch das Ausfüllen oder Weiterleiten des Fragebogens geholfen haben- Herzlichen Dank!


Der nachfolgende Artikel ist etwas länger- jedoch in Unterabschnitte eingeteilt.


Definitionen:

Einsamkeit: Ein negatives Gefühl, welches die Differenz zwischen der Anzahl und/oder Qualität der bestehenden Kontakte beschreibt: Wie es und wie man es persönlich gerne hätte. Einsamkeit ist ein subjektives Gefühl.

Information- und Kommunikationstechnologien (ICT): Geräte, welche Informationen speichern oder versenden können, in vorliegenden Fall Smartphones, Computer, Laptop, Tablet oder ‚normale‘ Mobiltelefone.




Was wir schon wissen


Einsamkeit und soziale Isolation im fortgeschrittenen Alter wird von der Wissenschaft kritisch untersucht, da die sich die Lebensumstände im fortgeschrittenen Alter anders gestalten als in jüngeren Jahren. Das kann mit verringerter Mobilität, körperlichen Einschränkung, schrumpfenden sozialen Umfeld oder dem Tod des Ehepartners zu tun haben.

Gleichzeitig bieten uns derzeit Information- und Kommunikationstechnologien die Möglichkeit, über jegliche Grenzen hinweg mit anderen Menschen zu kommunizieren, auch wenn wir uns gerade nicht physischen am selben Ort befinden. Das kann natürlichen einen positiven Einfluss auf das Wohlbefinden von Menschen haben, die sich möglicherweise in der oben genannten Situation befinden.

Bei genaueren Untersuchungen haben Wissenschaftler folgendes herausgefunden: Die Nutzung von ICT- Geräten kann einen positiven Einfluss auf das Wohlbefinden und Einsamkeitsgefühl von älteren Menschen haben. Das hängt jedoch von der jeweiligen Nutzung ab. Zum Beispiel konnte herausgefunden werden, dass die Nutzung von sozialen Aktivitäten, also Kommunikation mit anderen, Einsamkeitsgefühlen im Alter verringern kann.

Das gilt jedoch hauptsächlich, wenn jene Technologien zur Verbesserung oder Herstellung neuer Kontakte verwendet wird um so Begegnungen im realen Leben zu ermöglichen.


Der Fall Luxemburg


Um nun den Bogen zur luxemburgischen Bevölkerung zu schlagen: In Luxemburg liegen lediglich unzureichend Information über Einsamkeit bei älteren Luxemburger*innen vor. Weiterhin wissen wir wenig darüber, wie die Altersgruppe 55+, also diejenigen, die in Luxemburg auf die Rente zu gehen oder es teilweise schon sind, ihre digitalen Geräte verwendet. Hier war es für mich wichtig zu sehen, ob es Zusammenhänge gibt zwischen Einsamkeit und der Nutzung gewisser Funktionen oder Aktivitäten gibt.

Zu guter Letzt wollte ich herauszufinden, inwieweit eine Person Kontakt ihrem sozialen Umfeld aufnimmt und ob sie die Häufigkeit dieser Kontaktaufnahme als zufriedenstellend empfindet und ob es hier Unterschiede zwischen einsamen und nicht- einsamen Menschen gibt. Es wurde einmal die Kontakthäufigkeit über ICT Geräte erfasst als auch die Kontakthäufigkeit des persönlichen (face-to-face) Kontakts.

Zusammenfassend habe ich also Einsamkeit in einer luxemburgischen Stichprobe erhoben, deren Nutzungsverhalten bezüglich Information- und Kommunikationstechnologien (ICT) und Kontakthäufigkeit der Probanden zu ihrem sozialen Umfeld, über Information- und Kommunikationstechnologien (ICT) und auf persönliche ‚face-to-face‘ Art.


Stichprobe und demographische Daten


All jene Informationen, die ich zur Berechnung meiner Annahmen beziehungsweise meiner Hypothesen benötigte, habe ich mithilfe eines online Fragebogens erhoben, den einige von Ihnen freundlicherweise ausgefüllt und an ihr Umfeld weitergeleitet haben.

Insgesamt haben 145 Personen den Fragebogen ausgefüllt, 125 konnte ich in meine Berechnungen einbeziehen. Der Altersdurchschnitt der Stichprobe betrug 64,28 Jahre und Teilnehmer waren zwischen 55 und 80 Jahre alt. 63,5% waren weiblich, 36,5% waren männlich. Die Stichprobe bestand zu 87,3% aus Luxemburgern. Es gab keine Teilnehmer mit italienischer oder portugiesischer Nationalität. Die Teilnehmer der Stichprobe stammen aus überwiegend gebildeteren Schichten: 51% der Stichprobe absolvierten das Abitur oder konnten einen höheren Bildungsabschluss vorweisen.

73,4% unseren Teilnehmer befanden sich bereits im Ruhestand, 26,4% arbeiteten jedoch noch regelmäßig oder hin und wieder.


Wie einsam war unsere Stichprobe?


Um Einsamkeit zu messen benutzte ich die ‚Loneliness Scale‘ von de Jong- Gierveld (Quelle unten). Man kann 11 Punkte erreichen (das wäre die höchste Einsamkeitsstufe). Die beiden Wissenschaftler zwischen vier Kategorien unterschieden, je nachdem wie viele Punkte man auf der Skale erreicht. In unserer Stichprobe wurden die folgenden Zahlen erreicht:

68% der Teilnehmenden sind nicht einsam, 26,4% sind einsam, 3,2% sind sehr einsam und 2,4% sind stark einsam. Interessanterweise waren, wenn man die Einsamkeitszahlen nach Geschlecht getrennt betrachtet, 8,9% der Frauen sehr einsam oder stark einsam, während keiner der Männer in die letzten beiden Kategorien viel.




Nutzung von Information- und Kommunikationstechnologien (ICT)


Zu Beginn ist es hilfreich zu definieren, welche Geräte unter Information- und Kommunikationstechnologien (ICT) fallen. Dazu gehört alles, was Informationen speichern oder versenden kann, in unserem Falle Smartphones, Computer, Laptop, Tablet und ein ‚normales‘ Handy.

52,4% der Teilnehmenden besaßen drei ICT Geräte, 23.8% besaßen vier, und 4.8% besaßen sogar fünf jener genannten ICT Geräte.

Hier machte ich eine auffallende Entdeckung: Zu Beginn des Fragebogens erfragte ich ebenfalls das ‚gefühlte Alter‘ der Teilnehmer.

Da man mit dem gefühlten Alter aller Personen nicht sehr effektiv rechnen kann (es richtet sich ja immer nach der jeweiligen Person und wie alt sie tatsächlich ist) habe ich die Differenz zwischen dem biologischen und dem gefühlten Alter berechnet. Wenn ich 59 Jahre alt bin, mich jedoch wie 45 fühle, beträgt diese 14 Jahre.

Dann habe ich nachgesehen, wie sich diese Differenz zu der Anzahl der besessenen ICT Geräte verhält. Und siehe da: Je jünger man sich fühlte, umso mehr ICT Geräte besaßen unsere Teilnehmer.


ICT Geräte und Einsamkeit


In vorherigen Untersuchungen wurde angedeutet, dass einsame Menschen andere Funktionen im Internet verwenden, die eventuell ihre Einsamkeitsgefühle bestärken könnten. Dem wollte ich nachgehen.

Leider konnte ich keine signifikanten Unterschiede zwischen einsamen und nicht einsamen Menschen in der Nutzung ihrer ICT Aktivitäten finden.

Die ICT Aktivitäten ließen sich in 5 Kategorien einteilen: Kommunikation, Informationen suchen, online Einkauf, Entertainment oder neue Menschen online finden.

Einsame Menschen haben sich nicht in der Häufigkeit der Nutzung jener Kategorien von nicht- einsamen Menschen unterschieden.

Jedoch gab es Geschlechter- spezifische Unterschiede: Frauen schreiben deutlich häufiger SMS, tätigten online Anrufe, machen online Reservation oder kaufen ein Ticket und versuchten öfter, online neue Freunde zu finden oder Bekanntschaften zu machen.

Kontaktaufnahme mit dem sozialen Umfeld- haben einsame Menschen weniger Kontakt zu ihrem sozialen Umfeld?


Im dritten Teil meiner Arbeit untersuchte ich die Häufigkeit von Kontakt zum sozialen Umfeld. Ich wollte wissen, wie oft Kontakt über Anruf, SMS, Sprachnachricht oder E-Mail besteht und wie zufrieden die Teilnehmer mit der Häufigkeit der Kontaktaufnahme sind.

Die Art der digitalen Kontaktaufnahme wollte ich der persönlichen Kontaktaufnahme (face-to-face) gegenüberstellen.

Dabei zeigte sich: Einsame Menschen sind weniger zufrieden mit der Häufigkeit der persönlichen Kontaktaufnahme zu ihrem sozialen Umfeld. Sie haben generell auch weniger persönlichen Kontakt zu ihrem sozialen Umfeld.

Einsame Menschen sind außerdem signifikant unzufriedener mit der Häufigkeit der Kontaktaufnahme über ICT Geräte (Anruf, SMS, Sprachnachricht oder E-Mail) mit ihrem sozialen Umfeld als nicht- einsame Menschen.

Zusätzlich zeigte sich, dass einsame Menschen weniger persönlichen Kontakt und Kontakt über Anruf zu ihrem besten Freund als auch zu Ihrer Familie haben. Sie sind außerdem unzufriedener mit der Beziehung zu beiden genannten Parteien als nicht- einsame Menschen.



Zusammenfassung


Die aufbereiteten Ergebnisse stellen ca. 1/3 der Ergebnisse dar, die ich erhoben habe.

Wenn noch weiteres Interesse an demographischen Daten und anderen Ergebnissen besteht oder wenn Sie inhaltliche Fragen haben, dann können Sie mich gerne kontaktieren oder Ihre Fragen unter diesem Beitrag kommentieren.

Natürlich in diese Studie nicht repräsentativ für die luxemburgische Bevölkerung.

Jedoch würde ich gerne Folgendes feststellen: Ich war überrascht über den Anteil einsamer Menschen in der Stichprobe, daher bekräftigt dieses Ergebnis unser Ziel bei GoldenMe.


Ich bin betroffen- Was kann ich tun?


Was tun, wenn ich mich selbst einsam fühle? Zunächst ist es schon mal ein großer Schritt, sich jenes Gefühl einzugestehen. Weiterhin ist es wichtig für sich selbst zu definieren, was genau fehlt: Ist es ein romantischer Partner? Oder ein enger/enge Freundin? Bin ich mit der Anzahl meiner bestehenden Kontakte unzufrieden? Oder möchte ich einfach nur neue Leute kennen lernen?

Nun gilt es zu definieren: Was wünsche ich mir denn?

Diese Bedürfnisse können durchaus bestehen Kontakten oder Partner kommuniziert werden.

Dreht es sich um das knüpfen neuer Kontakt und das finden neuer Freunde, dann befinden sie bei GoldenMe auf dem richtigen Weg. Wir wollen erreichen, dass Menschen im Alter 50+ neue Leute kennen lernen und bedeutungsvolle Kontakte knüpfen können.

Uns ist es sehr wichtig, dass unsere Events offen gestaltet sind, jeder kommen kann und man Zeit in ungezwungener Atmosphäre verbringen kann.


Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihre Situation nicht so einfach zu lösen ist, dann melden sie sich bitte unter folgender Adresse:

http://www.croix-rouge.lu/de/presentation-du-service-iris/.

Auf dieser Seite finden Sie die Club Seniors, die im Land verteilt sind: http://www.luxsenior.lu/online/www/nav_content/13/36/FRE/index.html

Schreiben Sie uns unter goldenmeinfo@gmail.com. Vielleicht können wir gemeinsam eine Lösung finden.

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